11.01.2005

Über den 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus sprachen wir mit Laura von Wimmersperg, Moderatorin der Berliner Friedenskoordination

Breites Bündnis zur Vorbereitung des 8. Mai

Interview: Peter Wolter

F: Am 8. Mai jährt sich zum 60. Mal der Tag der Befreiung vom Faschismus. Sie sind jetzt schon dabei, Gedenkveranstaltungen in Berlin zu organisieren, von wo der deutsche Faschismus zur Eroberung Europas aufbrach und wo er auch endete.

Wir hatten schon zum 40. und 50. Jahrestag große Veranstaltungen organisiert. Dieses Mal wollen wir zunächst ein Programmheft zusammenstellen, das möglichst viele Veran­staltungen zu diesem Gedenktag erfaßt. Alle Gruppen, die etwas planen, sollten sich des­wegen mit uns in Verbindung setzen.

Unser Aufruf zu diesem Gedenktag ist nach vorne gerichtet. Wir wollen deutlich machen, daß sich die Hoffnungen nach Kriegsende nicht erfüllt haben, Deutschland werde ein friedliches Land mit Gleichheit und ohne Rassismus sein. Ein Blick auf die Europäische Verfassung etwa macht deutlich, welches Interesse Deutschland am Militär und daran hat, seine Einflußsphäre über Europa hinaus auszudehnen.

F: Aus welchem gesellschaftlichen Spektrum setzt sich der Vorbereitungskreis zusammen, welche Organisationen sind beteiligt?

Das ist nicht viel anders als bei ähnlichen Veranstaltungen, die die Berliner Friedenskoor­dination früher schon organisiert hat. Aktiv dabei sind Vertreter der katholischen Kirche sowie Gewerkschafter aus ver.di oder der GEW. Es sind lokale Friedensgruppen oder antifaschistische Verbände wie die VVN/BdA oder die DRAFD beteiligt. Die Rosa-Luxem­burg-Stiftung ist ebenso dabei wie die PDS oder die DKP oder die »Freunde der Völker Rußlands«. Wir haben auch linke Sozialdemokraten.

F: Der 8. Mai dieses Jahres dürfte wohl der letzte runde Jahrestag sein, an dem noch Überlebende aus der damaligen Zeit teilnehmen können. Wurde das besonders berück­sichtigt?

Wir wollen eine internationale Konferenz ausrichten und bemühen uns zur Zeit, daß die möglichst von größeren Organisationen getragen wird. Dort sollen Zeitzeugen auftreten - Widerstandskämpfer, Deserteure oder ehemalige Soldaten, die gegen die Nazis kämpften. Direkt am Sonntag, dem 8. Mai, gibt es dann Veranstaltungen an den beiden sowjetischen Ehrenmalen in Treptow und im Tiergarten. Wir wollen auch dazu Gäste aus den überfalle­nen Ländern einladen, vor allem aus Rußland und Polen. Eventuell gelingt es uns, einen Teil des Alexandrow-Ensembles, des ehemaligen Chors der Roten Armee, nach Berlin zu bekommen. Außerdem bemühen wir uns, Musiker aus der ehemaligen DDR zu gewinnen, die Teile der Leningrad-Symphonie von Dmitri Schostakowitsch aufführen. Zur Werbung für diese Gedenkveranstaltungen haben wir übrigens einen Plakatwettbewerb mit einem kleinem Preis als Anreiz ausgelobt.

F:Die regierungsamtliche Publizistik ist offenkundig bemüht, die Rolle der Sojwetunion bei der Befreiung Deutschlands klein und die der USA immer größer zu schreiben. Verstehen Sie Ihre Veranstaltung auch als Korrektiv zur offiziellen Propaganda?

Wir sind empört über alle derartigen Versuche der Geschichtsklitterung. Wir sind sehr besorgt darüber, daß selbst in den Reihen der Friedensbewegung gelegentlich wertneutral vom »Kriegsende« und nicht v n der »Befreiung« gesprochen wird. Auch bei der einen oder anderen ausgesprochen linken Organisation gibt es diese Anpassung - es gibt da wohl Leute, die Sorge haben, man könne als verstaubt gelten, wenn man die Rolle der Sowjetunion hervorhebt. Wir müssen aber deutlich machen, daß wir vor allem ihr für die Befreiung dankbar sein müssen - ohne daß man damit die Leistungen anderer Staaten oder der Widerstandsbewegungen kleinschreibt. Die Rote Armee wird daher ein wenig im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltungen stehen.

L>